Body-Mass-Index kann laut Studie gesundheitliche Risiken nicht bestimmen

Ungesund: Ein großer Teillenumfang kann auf ungesunde Fettpölsterchen am Bauch hinweisen. © Michael Gottschalk/ddp
Der Body-Mass-Index (BMI) – Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat – gilt bei vielen Menschen als der Wert, nachdem man sich richten sollte. Angestrebt wird von den meisten ein BMI zwischen 19 und 24, wie ihn die Universität Hohenheim auf ihrer Homepage für Menschen zwischen dem 19-24 Lebensjahr empfiehlt. Alles darunter oder darüber gilt allgemein als gesundheitlich bedenklich. Eben darin liegt jedoch das Problem. Denn der BMI hat keine allgemeingültige Aussagekraft.
So kann er beispielsweise nicht zwischen Fett und Muskelmasse unterscheiden. Das Resultat: Extremsportler wie der frühere Bodybuilder Arnold Schwarzenegger würden laut BMI-Tabelle als Fettleibig gelten. Bei einer Körpergröße von 1,88 Meter und einem Gewicht von 106 Kilogramm laut Wikipedia, hätte Schwarzenegger in den 70er Jahren einen BMI von 30 gehabt. Demnach wäre der Österreicher stark gesundheitsgefährdet gewesen.
Eine Anfang März veröffentlichte Studie der Universität München mit 11.000 Probanden hat nun jedoch offiziell bestätigt, dass der BMI kaum Aussagekraft hat. Offiziell vorgestellt werden die nach achtjähriger Forschung zusammengestellten Ergebnisse der Universität München in Zusammenarbeit mit Forschern der Universitäten Greifswald, Dresden und Lübeck zwar erst in der April-Ausgabe des “Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism”, erste Aussagen belegen jedoch, dass der BMI in seiner Bedeutung für die Gesundheit der Menschen überschätzt wurde.
Ein hoher Fettanteil am Bauch gilt als gesundheitsgefährdend
Nach Angaben von Spiegel Online fanden die Forscher heraus, dass der Taillenumfang viel bedeutender für die Aussagekraft der gesundheitlichen Risiken ist. Denn über das Risiko für Herzkrankheiten entscheidet nicht die Menge des Fetts, sondern seine Verteilung im Körper.
Bereits seit längerem ist bekannt, dass das Fett am Bauch schädliche Fettsäuren und andere Stoffe in den Körper abgeben kann, die unter Umständen Entzündungen hervorrufen. Und auch das Risiko von koronaren Herzkrankheiten steigt durch das Bauchfett an, wohingegen Fettpölsterchen an den Hüften, Oberschenkeln und Gesäß als unbedenklich gelten.
BMI hat kaum Aussagekraft
Wissenschaftler der britischen Universität Oxford fanden sogar heraus, dass Fett unterhalb des Bauches das Risiko einer Herzerkrankung oder von Diabetes mellitus Typ-2 mindern kann. Davon betroffen sind zumeist Frauen, die in der Regel eine so genannte Birnenform besitzen. Speck am Bauch, welches für die so genannte Apfel-Form zuständig ist, kommt hingegen überwiegend bei Männern vor.
Misst man bei Frauen mit einer Körperfettverteilung in Birnenform den BMI, kann dieser somit über dem empfohlenen Wert liegen und dennoch nicht gesundheitsschädlich sein. Männer mit extrem ausgeprägtem Bauch können hingegen trotz grenzwertiger BMI-Werte gesundheitsgefährdet sein. “Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen”, sagte Harald Schneider von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) laut Spiegel.de. Vielmehr würde das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang sowie der WHtR-Wert (waist-to-height ratio) ausschlaggebender sein.
Letzterer setzt den Taillenumfang in Bezug zu der Körpergröße und kann somit Auskunft über den Fettanteil am Bauch geben. Demzufolge steigt das Risiko von Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes durch einen hohen WHtR an. Werte über 0,5 gelten laut 1A Krankenversicherung als medizinisch bedenklich. Doch auch hier kann sich die kritische Zahl, wie beim Body-Mass-Index, mit dem Alter nach oben verschieben. (gr)
