Anhausen: Hells Angels-Rocker erschießt SEK-Beamten

© Berthold Stadler/ddp

Bei der Durchsuchung einer Wohnung eines Mitglieds der Rockergruppe “Hells Angels” im rheinland-pfälzischen Anhausen im Kreis Neuwied ist am Mittwoch ein 42 Jahre alter Polizist des Sondereinsatzkommandos (SEK) erschossen worden. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz waren die beiden für die Durchsuchung eingesetzten Beamten dabei, die Wohnungstür zu öffnen, als der 43-jährige Bewohner offenbar ohne Vorwarnung zwei Schüsse durch die geschlossene Tür abgab.

Wie die FAZ unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Koblenz berichtet, habe mindestens einer der Schüsse den Beamten des SEK getroffen und ihn trotz Schutzweste tödlich verletzt. Da der Mann offenbar seitlich zur Tür stand, habe die Kugel seinen Oberarm durchschlagen und sei in den Oberkörper eingedrungen. Der 42-Jährige erlag noch am Tatort seinen Verletzungen.

Laut der Rhein-Zeitung konnten die eingesetzten Polizeibeamten den Beschuldigten und seine bei ihm wohnhafte Lebensgefährtin (28) ohne Einsatz von Schusswaffen überwältigen und vorläufig festnehmen.

Bei der Razzia handelte es sich offenbar um Ermittlungen im Rotlichmilieu: Die Staatsanwaltschaft Koblenz und die Polizei durchsuchten am Mittwochmorgen insgesamt sieben Wohnungen wegen Verdachts der räuberischen Erpressung gegen fünf Tatverdächtige.

Ermittlungen standen nicht im Zusammenhang mit dem Bandenkrieg gegen die “Bandidos”

Darunter war auch die Wohnung des 43-Jährigen, der gemeinsam mit seinen Bandenmitgliedern der “Hells Angels” verdächtigt wird, Prostituierte aus Konkurrenzgründen und “unter Androhung von Repressalien” von einem lukrativen Stellplatz im vorderen Westerwald vertrieben zu haben, berichtet die Rhein-Zeitung weiter. Da Hinweise vorgelegen hätten, dass der 43-Jährige aus Anhausen legal über eine Schusswaffe verfügen könnte, sollten SEK-Beamte die Wohnung der Mannes stürmen.

Dem Blatt zufoge sei der 43-Jährige Mitglied der Hells Angels, aber nicht vorbestraft. Das Ermittlungsverfahren gegen den Mann und die weiteren “Hells Angels”-Mitglieder stünde laut Staatsanwaltschaft jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Bandenkrieg mit dem rivalisierenden Motorradclub “Bandidos”, mit dem sich die “Hells Angels” in jüngster Zeit in mehreren Bundesländern teils blutige Auseinandersetzungen liefern.

Staatsanwaltschaft will Anklage wegen Mordes erheben

So wurde im schleswig-holsteinischen Kiel am Montagabend ein 21-Jähriger aus dem Umfeld der “Bandidos” von Unbekannten mit einem Messer attackiert, der dabei schwere Schnittverletzungen erlitt. Es hieß, die Ermittler gingen davon aus, dass es sich bei dem Angriff um einen Racheakt handeln könnte, nachdem in der vergangenen Woche Schüsse auf das Wohnhaus des Kieler “Hells Angels“-Chefs im Stadtteil Friedrichsort abgegeben wurden.

Dem Bericht zufolge will die Staatsanwaltschaft Koblenz nun Anklage wegen Mordes gegen das 43-jährige “Hells Angels”-Mitglied erheben. Sie gehe von den Mordmerkmalen Heimtücke und Verdeckung einer anderen Straftat aus. (ba)

4 Kommentare

  • franky
    March 18, 2010

    Mein Beileid für die Angehörigen des getöteten Polizeibeamten!!!

    Nur mal so ein Gedanke: Könnte es auch sein, dass der bisher nicht vorbestrafte Schütze eine Abordnung der Bandidos vor der Tür vermutetet und mehr oder weniger in Panik geschossen hat?
    Frage: Hat die Polizei sich vor dem Zugriff als Polizei zu erkennen gegeben oder “überraschend” stürmen wollen? Dann träfe meines Erachtens den verantwortlichen Einsatzführer eine Mitschuld wegen dilettantischen Vorgehen.. Warten wir es ab und Presse fragt bitte nach.

    Übrigens: Ich denke hier an den Rechtsstaat, nicht an irgendwelche kriminellen Rockerbanden. Warum sind die eigentlich nur in Hamburg verboten und nicht bundesweit?

    Danke fürs lesen.

  • Detti
    March 18, 2010

    Alles klar! Soll das SEK erst klingeln, warten und sich dann die Tür öffnen lassen !?
    Dann brauch ich das SEK nicht! Kann ja freundlich fragen ob der Straftäter lieber so mitkommen will. Und wenn er dann doch schießt, ist es mein Pech! Aber die mPolizei hat sich vorher angemeldet!
    Das Ziel der polizeilichen Maßnahmen ist zwar nicht erreicht, aber der Täter konnte nach Voranmeldung gezielt schießen!
    Welchen UNterschied macht denn eine Anmeldung in diesem Falle?
    Hätte ja auch der Nachbarjunge sein können!
    Denkt doch mal nach!

  • franky
    March 18, 2010

    Ja Detti,

    das SEK könnte sich durchaus erst mal – z. B. per Telefon oder Megaphon – als Polizei zu erkennen geben. Höchstwarscheinlich hätte sich der HA dann wie auch später geschehen einfach verhaften lassen. So blöd sind die auch nicht, dass sie nicht wissen würden, dass sie in einer Auseinandersetzung keine Chance hätten.

    Bitte mal in Situation reindenken: Wenn ich eine legale Waffe habe, es Leute gibt, dir mir nach dem Leben trachten (Bandidos) und dann versuchen da frühmorgens irgendwelche Leute meine Wohnungstür aufzubrechen.. Panik und Schuss – evtl. sogar als Warnschuß gedacht, weil ja seitlich und nicht frontal auf die vor der Tür stehende Person.

    Muss nicht aber kann durchaus so gewesen sein.. und dann sollte man doch überlegen, ob es als Strategie nicht manchmal besser wäre – bei so einer machtvollen Polizeipräsenz – den Verdächtigen zum herauskommen aufzufordern.

    Danke fürs lesen.

    franky

  • wernd2
    March 19, 2010

    Ihre Meinung
    Die zuständige Einsatzleitung sollte sich hinterfragen, ob es überhaupt so weit kommen musste. Mir ist diese unprofessionelle Vorgehen des SEK nicht verständlich und auch nicht nachvollzierbar.
    Wenn bei mir morgens um 5.30 Uhr jemand versucht die Haustür aufzubrechen, hätte ich wohl auch ein Interesse mich zu schützen.
    Mordanklage ist in diesem Fall von der Staatsanwaltschaft nicht durchzusetzen.
    Die Diskussionen über einen Zusammenhang mit Rockergruppen ist in diesem Fall nicht angebracht, da es sich wohl um einen Einzeltäter handelt.

Ein Trackback

  • March 17, 2010

    [...] war 42 Jahre alt. Der Oberstaatsanwalt Horst Hund berichtet weiter, dass die übrigen Beamten den 43jährigen Hells Angel danach überwältigen konnten. Auch die Lebensgefährtin wurde mit fest genommen. Die geschah dann [...]

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